Spielst Du’s schon oder lernst Du’s noch?

Selten war die Vorbereitung auf den Kongress so angenehm. Hier ein kleiner Sneak-Peek auf die Go-Lounge:

Lounge-Preview

Lounge-Preview

Geplant sind insgesamt sechs Bretter im Foodkreisel: drei an Tischen und drei (so halbwegs stilecht) auf dem Teppichboden. Und wer Go noch nicht spielen kann, bekommt es kurzerhand beigebracht. ;)

Security-Theater live

Natürlich war es kein Zufall, daß wir auf dem Rückweg vom What The Hack in Boxtel in den Niederlanden von einem Zugfahrgast scherzhaft auf unsere großen Rucksäcke angesprochen wurden: “Sure you’ve got no bombs in these backpacks, do you?” Auf der einen Seite finde ich es verständlich, daß man in den Niederlanden nun ein wenig vorsichtiger geworden ist, zumal auch niederländische Truppen im Irak stationiert sind. Doch was wir anschließend im Venloer Hauptbahnhof (NL) erlebt haben, ist meines Erachtens ein Paradebeispiel für geldverschwenderisches Security-Theater.

Eigentlich mußte ich nur ziemlich dringend die Bahnhofstoilette aufsuchen, sodaß wir die Gleise, wo wir auf den Anschlußzug warteten, verlassen haben, um in die Bahnhofshalle zu gehen. Beim Rückweg zu den Gleisen wurden wir am Zugang zum Gleistunnel von gleich vier Bahnbeamten aufgefordert, unsere Zugtickets vorzuzeigen. Die dabei entstandene Konversation lief in etwa wie folgt ab:

  • “Steht diese Kontrolle im Zusammenhang mit den Anschlägen in London?”
  • “Ja, das tut sie.”
  • “Ich glaube nicht, daß sie uns in irgend einer Weise sicherer macht.”
  • “Doch, das tut sie.”
  • “Es gibt ganz andere Möglichkeiten, auf das Bahnhofsgelände zu kommen. Ich könnte zum Beispiel dort vorne über den Zaun klettern.”
  • “Nein, das können Sie nicht. Dort sind Überwachungskameras.”
  • “Ich könnte auch ein Ticket kaufen, sie würden mich durchlassen, und dann könnte ich trotzdem schlimme Dinge in den Zügen anstellen.”
  • “An den Fahrkartenautomaten sind auch Überwachungskameras. Sie können es ja mal versuchen.”
  • “Nein, danke! Ich wollte Ihnen nur mitteilen, wie ich darüber denke.”

Ich frage mich immer noch, ob die letzte Aussage des Beamten eigentlich als eine Art Aufforderung zu verstehen war. Es war uns aber auch ohne seinen Tipp problemlos möglich, die “Sicherheitskontrollen” zu umgehen, und das sogar ohne, daß wir es wollten. Darüber, daß es nämlich am Bahnhof Boxtel überhaupt keine Kontrollen gab und wir uns in den Zügen und zwischen den Bahnhofsgleisen komplett frei bewegen konnten, sondern erst in Venlo zur Bahnhofstoilette gehen mußten, um kontrolliert zu werden, haben wir dann leider nicht mehr gesprochen. Es ging mir aber auch nicht darum, die Bahnbeamten von der prinzipiellen Sinnlosigkeit ihrer derzeitigen Erwerbstätigkeit zu überzeugen.

Die einzige positive Wirkung dieser “Sicherheitsmaßnahme” ist wohl tatsächlich, daß sich einige Menschen damit irgendwie sicherer fühlen, auch wenn sie es nicht wirklich sind. Und genau darum geht es beim Security-Theater: die möglichst spektakuläre Demonstration, daß man etwas (gegen den Terrorismus) unternimmt und die Vermittlung eines (wenn auch unberechtigten) Sicherheitsgefühles.

Richtig erschreckend fand ich aber, daß es anscheinend immer noch breiter Konsens ist, daß Überwachungskameras Kriminalität verhindern. Doch im aller günstigsten Fall verlagern sie diese nur an andere Orte. Und bei Suizidanschlägen wäre es dem Angreifer sowieso relativ gleichgültig, vielleicht aber sogar ganz recht, dabei gefilmt zu werden. Selbst der Beweis für die angeblich besseren Aufklärungsmöglichkeiten (wenn es dann zu spät ist) steht noch völlig aus. Wirklich relevante Sicherheitseffekte dürften sich erst bemerkbar machen, sobald sich die Bewegungen nahezu aller Individuen auf Schritt und Tritt zurückverfolgen lassen. Zum Glück ist eigentlich niemand bereit, einer solch umfassenden Überwachung der Privatsphäre zuzustimmen, sobald man die Frage tatsächlich einmal aus dieser Perspektive stellt. Hingegen ist “mehr Überwachung für mehr Sicherheit” gemeinhin akzeptiert, auch wenn niemand so recht weiß, wie genau das bewerkstelligt werden soll.

Statt also einzusehen, daß die getroffenen Maßnahmen nicht zu unserer Sicherheit beitragen, lassen sich weiterhin große Teile der Bevölkerung im trügerischen Glauben an einen guten Kompromiss unter Generalverdacht stellen. Und genau das ist das Problem: die prinzipielle Ununterscheidbarkeit zwischen potenziellen Terroristen und “normalen” Menschen.

Was wir derzeit erleben ist die schrittweise Mutation eines uralten Grundsatzes der Rechtsprechung und des sozialen Miteinanders: Aus “Unschuldig bis das Gegenteil bewiesen” wird nun allmählich “Verdächtig bis das Gegenteil bewiesen”. Und selbst wenn man sich durch einen Beweis eines bestimmten Verdachtes entledigen könnte, könnte es ja immer sein, daß man noch etwas ganz anderes im Schilde führt, was letztlich zu immer mehr Überwachung und Kontrolle führen muß. Eine gefährliche Entwicklung, die besser heute als morgen gestoppt werden sollte.

NRW-Landtagswahl 2005 verwundbar durch Exploit

Das NRW-Landtagswahlsystem 2005 weist eine kritische Sicherheitslücke auf. Bei Stimmabgabe wurde in allen getesteten Fällen nach Information des örtlichen Wahlhelfers auf Anweisung der Wahlleitung keine Identifikation des Wählers vorgenommen. Lediglich in begründeten Verdachtsfällen, wie z.B. zum Geschlecht upassender Name oder wiederholtem Wahlversuch, würde nach Auskunft des Wahlhelfers der Personalausweis geprüft werden.

Durch Beschaffung von fremden Wahlbenachrichtigungen (wie z.B. durch persönliche Kontakte und Durchsuchung von Briefkästen an den Tagen der Zustellung) lassen sich durch geeignete Auswahl von Wahlbezirken unter falscher Identität unauthorisiert Stimmen abgeben.

Es ist davon auszugehen, daß die Kenntnis dieser Sicherheitslücke nicht auf wenige potenzielle Angreifer beschränkt bleibt, sondern auch bei anderen Wahlen mit der genannten Sicherheitslücke aktiv ausgenutzt wird. Ein Angreifer in ensprechend hoher Position im Wahlsystem kann erheblichen Schaden verursachen, der in der Regel unentdeckt bleibt, da entsprechende Kontrollmöglichkeiten nicht ausreichend effizient implementiert werden können.

Die Veröffentlichung der Sicherheitslücke vor Bereitstellung einer gefixten Wahl-Version soll eine möglichst breite Öffentlichkeit darüber in Kenntnis setzen und die Verantwortlichen, die das Vorhandensein einer Sicherheitslücke bestreiten, zum Einlenken bewegen.

Ein Update auf eine gefixte Version ihrer Wahl zum nächstmöglichen Zeitpunkt ist DRINGEND erforderlich. Die Veröffentlichung der Exploits erfolgt in Kürze. Der Proof-of-Concept wird zur nächsten verwundbaren Wahl nachgereicht.

Enterprise-Politik, Nachtrag

Zwei sehr detailfreudige Artikel, die untenstehende Thesen zu Staffeln 1-3 anhand vieler Beispiele belegen:

Enterprise - Ein Nachruf, Teil I
Enterprise - Ein Nachruf, Teil II

Trekkies aufgepaßt: angebracht kritischer Unterton! ;)

Enterprise-Politik

Die ersten beiden Staffeln der neuesten Star Trek-Serie “Enterprise” hatten noch ein eher einfaches Strickmuster: Wir entdecken den Weltraum und erleben viele spannende Abenteuer, die zwar hier und dort durch einen roten Faden (den “Temporal Cold War”) verknüpft, aber bis auf kleinere Erzählstränge mehrheitlich eher zusammenhanglos sind.

Das alles änderte sich fast schlagartig mit Staffel 3. Die Erde wird mit einer neuartigen Waffe angegriffen. Die Xindi sind schnell als Angreifer identifiziert, woraufhin die Enterprise in einen unbekannten Raumsektor ausgeschickt wird, einen geplanten weiteren, vernichtenden Angriff zu vereiteln.

Grundsätzlich lassen sich in jeder Serie innerhalb des Star Trek-Universums politische Tendenzen finden, wie es auch schon mehrfach beschrieben wurde. Doch in Enterprise Staffel 3 springt einem der pro-US-amerikanische Grundtenor schon fast ins Gesicht.

Wo wird die Erde angegriffen? Natürlich trifft es mit Florida hauptsächlich das Gebiet der Vereinigten Staaten. Die Enterprise mit ihren Navy-Allüren zieht nun quasi als Vertreter der Menschheit los ins Feindesland, um Schlimmeres zu verhindern. Unterwegs schrecken Captain Jonathan Archer und seine Mannschaft — wie verwandelt — weder vor eigenen Opfern, noch vor Folter zurück, um dem bösen Feind auf die Schliche zu kommen. Auch eine Folge, in der die Enterprise von religiösen Fanatikern, die sich auf Befehl ihres Führers fraglos selbst in die Luft sprengen, übernommen wird, ist mit dabei (Chosen Realm) und bildet den traurigen Scheitelpunkt einer Parabel zwischen Science-Fiction-Erzählung und Post-9/11-Rechtfertigung.

Aufgrund der abrupten völligen Verwandlung der Charaktere (”I’ll do whatever is neccessary to stop that weapon!”) und der neuen Richtung, die erheblich auf die Rechtfertigung der US-amerikanischen Politik der letzten Jahre zugeschnitten zu sein scheint, würde ich die kühne Vermutung aufstellen, daß hier nicht nur die Serienautoren ihre persönlichen traumatischen Erlebnisse verarbeitet haben, sondern bereits an höherer Stelle im Film-Business bewußt Einfluß auf die Story-Line genommen wurde. Auch stand zu Beginn der dritten Staffel der Fortbestand der als nur mittelmäßig erfolgreich eingestuften Serie in Frage, und die Sicherung der Serie dürfte eine große Kompromissbereitschaft bei den Serienverantwortlichen hervorgerufen haben.

Wichtig wäre hierbei noch zu erwähnen, daß aus Kreisen des US-amerikanischen Militärs schon mehrfach ideologischer Einfluß auf Filmproduktionen genommen wurde, was die Darstellung historischer Ereignisse oder das Image der Streitkräfte anging.

Um meine völlig haltlose These wenigstens ein Bißchen zu untermauern, möchte ich die vierte Staffel ein wenig unter die Lupe nehmen. Diese Staffel würde ich nämlich als Racheakt der Serienschreiber für die “Auflagen” der dritten Staffel bezeichnen.

Zu Beginn der vierten Staffel war eigentlich schon klar, daß die Serie nicht die erhofften Einnahmen einspielen würde und abgesetzt wird. 2,5 Millionen Zuschauer sind heutzutage halt nicht unbedingt genug. Insofern hatten die Serienverantwortlichen und die Serienautoren auch nicht mehr viel zu verlieren.

Die beiden Haupthandlungsstränge “The Xindi” und “Temporal Cold War” wurden mit der dritten bzw. zu Beginn der vierten Staffel abgeschlossen, weshalb es ohne roten Faden entsprechend zusammenhanglos vorangeht. Stattdessen konzentriert man sich auf Erzählstränge, die sich über mehrere Folgen entwickeln und versucht, einen weicheren Anschluß an die “Ära Kirk” zu knüpfen, indem man zum Beispiel eine recht plausible Erklärung liefert, weshalb die Klingonen wieder so viel menschlicher aussehen werden. In Staffel 4 finden sich plötzlich viele sehr gute Ideen, die sich die Autoren vielleicht auch für spätere Staffeln aufsparen wollten, und sogar spürbare anti-US-amerikanische Tendenzen, die sich als angenehme Erleichterung nach der patriotischen dritten Staffel breitmachen.

Der Erzählspieß wurde gegenüber Staffel 3 kurzerhand wieder komplett umgedreht. So beleuchtet gleich eine ganze Trilogie die Geschichte der Syrranniter, einer uralten intellektuellen Glaubensrichtung im Volk der Vulkanier, deren Anhänger seit langem wegen ihrer verschieden Auslegung der alten Schriften in Ausgrenzung und Zurückgezogenheit in einem Wüstengebiet Namens Kir’Shara leben. Unter dem herrschenden Vulkanischen Regime werden sie wegen ihrer ablehnenden Haltung unter allerlei Vorwänden erbittert verfolgt, und ein verschwörerischer Anschlag auf die Botschaft der Erde wird geschickt als Werk der Syrranniter inszeniert und zum Anlaß genommen, die alten Stätten von Kir’Shara samt leidiger Ideologie endgültig auszurotten.

Die dabei entstandenen Filmszenen erinnern nur allzu sehr an die Bombardierung der Felsenfestung von Tora Bora, und bei allen Aktionen des korrupten Regimes gegen die Abtrünnigen ist man stets peinlichst darauf bedacht, den äußerlichen Schein eines Kampfes gegen brutale Glaubensfanatiker zu wahren und keine Zuschauer in Form eines Raumschiffs Enterprise im Orbit zu haben, die etwas anderes Berichten könnten.

Die aktuell ausgestrahlten Folgen, die die vorerst letzten Enterprise-Folgen sein werden, treiben es sogar noch einen Schritt weiter auf die Spitze. Die gesamte Serie kommt in einem neuen Gewand daher. Anstatt des fröhlichen “Wir entdecken den Weltraum”-Trailers wurde eine völlig neue Version produziert, in dem hauptsächlich Schlachten und Eroberungen bei martialischer Musikuntermalung zu sehen sind. Die gesamten letzten Folgen widmen sich einem Gedankenspiel, wie die Enterprise-Welt aussehen würde, wenn die Menschheit nicht über die Verschiedenheiten der einzelnen Gruppen und Völker hinweg gekommen und als Wissenschaftler und Entdecker in den Weltraum aufgebrochen wäre, sondern ein brutales Gewaltregime die Vorherrschaft unter den Völkern übernommen hätte, das sich alles nimmt, was es haben will, und alles zu Untertan mach, was ihm im Weg steht. Passenderweise heißen diese Folgen auch noch In A Mirror, Darkly, und wer hier den düsteren Spiegel vorgehalten bekommt, ist dabei trotz der Anspielung auf eine alte Star Trek-Folge sogar ziemlich eindeutig.

Wie es möglich ist, bei Staffeln 3 und 4 nicht an die USA und ihren Eroberungsfeldzug unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung zu denken, bleibt mir ein Rätsel. Die üblichen, im Internet erhältlichen, sehr ausführlichen Zusammenfassungen der einzelnen Episoden ziehen zwar die überauffälligen Parallelen einzelner Folgen zu 9/11, aber das große Bild der einzelnen Staffeln scheint in den Köpfen gerade erst noch zu entstehen. An einer Tatsache wird sich allerdings nur wenig ändern: Star Trek ist und bleibt eine Serie mit massivem politischen Tiefgang.

Fernab des zunehmenden manipulativen Momentes der neuesten Star Trek-Serie, die in einer zunehmend manipulativen Medienumwelt entstanden ist, geht die Reichweite der behandelten Themen jedoch Quer durch die Bank philosophischer Probleme und Aspekte menschlicher Existenz, sei es zu Genmanipulation, Klonethik, Glaubenskonflikten, Ressourcenkonkurrenz, Gefahren und Möglichkeiten neuer Technologien, Umweltzerstörung, Machtverteilung, abweichender Sexualität und vielem mehr. Die Möglichkeiten des Genres werden dabei oft geschickt genutzt, um auch über den Tellerrand des Menschseins hinauszuschauen, wenn es zum Beispiel um die Implikationen einer tripolaren Geschlechtlichkeit oder das friedliche Zusammenleben mit einer weniger entwickelten zivilisierten Spezies innerhalb einer Gesellschaft geht.

Das wirklich Schöne an Star Trek, und da macht Enterprise keine Ausnahme, ist, daß man soviel in die Episoden, Staffeln und Serien hineininterpretieren kann. Auch wenn mir längst nicht immer gefällt, was dort zu sehen ist, was dort vermittelt wird und wie es vermittelt wird, ist es doch immer noch eine Serie, die viele Emotionen wachruft, sehr zum Nachdenken anregt und für allerlei Gesprächsstoff sorgt. Und das schon über Jahrzehnte hinweg. Und wie viele Serien können so etwas schon von sich behaupten?

Out-N24′d

Vor einiger Zeit habe ich eine hoch spannende, mit vielen Programmbeispielen belegte Analyse des amerikanischen Nachrichtensenders FOX NEWS gesehen: OUTFOXED: Rupert Murdoch’s war on jounalism.

Die recht überzeugende These besagt im Wesentlichen: Der Medienunternehmer Rupert Murdoch, ehemals guter Freund von Schauspieler und Präsident Ronald Reagan, besitzt ein Medien-Netzwerk aus 100 Kabelkanälen, dutzenden Satelliten- und Radiosendern, Verlägen und einem Filmstudio, das weit mehr als die hälfte der Weltbevölkerung erreicht und dadurch einen erheblichen Einfluß auf öffentliche Meinung und Diskurs hat. Seinen Medien ist eine deutliche Rechtslastigkeit der transportierten Inhalte und deren Auslegungen zu eigen, was ganz besonders an besagtem News-Channel deutlich wird. “Nachrichten” bestehen dabei immer weniger aus Fakten und immer mehr aus Meinung (”Some people say…”, zu Mediendeutsch: “Es wird immer wieder behauptet…”), weil sich Meinung nicht widerlegen läßt.

FOX NEWS ist übrigens der Kanal, der während der heißen Auszählungsphase der Präsidentschaftswahl 2000 aus heiterem Himmel kurzerhand Geoge W. Bush zum Gewinner in Florida erklärte, woraufhin sämtliche anderen News-Channels dies ebenfalls taten, weil niemand der Letzte sein wollte, den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten bekanntzugeben. Dies erwies sich im Nachhinein bekannterweise als kleiner Fehler (”We made a mistake”, sagte selbst der Fox-Presseprecher) mit großer Wirkung.

Bei FOX kommen die üblichen, aber sehr ausgefeilten Tricks zum Einsatz, um die eigenen Standpunkte bevorzugt zu präsentieren. Das geschieht ganz plump und einfach dadurch, daß man Berichte anhand der behandelten Themen (vorallem klassiche Spaltungsthemen wie Homosexualität, AIDS, Arbeitslosigkeit) und Sichtweisen, sowie ihres ideologischen Grundtons auswählt. In Talkshows und Interwiews werden viel häufiger die eigenen Fürsprecher eingeladen und zu Wort kommen gelassen. Subtiler wird es aber schon, wenn bei “fairen und ausgeglichenen” Expertenrunden die eigene Seite stets mit rhetorisch starken und wohlbekannten Persönlichkeiten besetzt wird, während die Gegenseite vornehmlich mit unbekannten und unerfahrenen Gesichtern auskommen muß. Auch sehr beliebt ist es, daß die eigenen Fürsprecher als gutaussehende, smarte Erfolgstypen daherkommen, die Gegenseite aber eher ein wenig zuppelig und ungestylt wirkt.

Genau diese Momente lassen sich immer stärker auch hier in der deutschen Medienlandschaft erkennen, wenn auch längst noch nicht so perfekt umgesetzt wie in den USA. Doch spätestens seit der mehr als zwölfstündigen Übertragung im Rahmen der Visa-Affäre und der nachfolgenden Berichterstattungen ist klar geworden, daß man auch hier in Deutschland sehr schnell dazu lernt.

Wir alle kennen und lieben N24, den Fernsehkanal mit den kernigen Dokus über mächtige Flugzeugträger (”Sie verbreiten Angst und Schrecken unter den Staaten, vor deren Küste sie aufkreuzen. [...] Jeder Staat will einen, aber kaum einer kann sich einen leisten. [...] Die USA unterhalten [übrigens] 7 davon.”), waghalsige Weltraumabenteuer, pompöse Luxusyachten (”17000 PS… pro Maschine”) und dreckige Polizeiarbeit komplett mit nervenaufreibender Verbrecherjagd.

Auch N24 hat die Verhörung von Joschka Fischer komplett live übertragen und eine umfangreiche Nachberichterstattung auf die Beine gestellt. Ganz besonders fiel dabei das Expertengespräch im Anschluß auf. Eingeladen waren eines der Ausschußmitglieder aus der CDU und ein ehemaliger Medienberater der SPD.

Sämtliche Aussagen von Fischer, die “nicht erinnern” enthielten, wurden zu einem zweiminütigen Block zusammengeschnitten, der den Eindruck erweckte, daß Fischer im Wesentlichen eigentlich nichts anderes gesagt hat, und es wurden viele Szenen eines unsicheren und müde stammelnden Außenministers gezeigt, sowie die Szenen, in denen der Ausschuß die rhetorische Überlegenheit hatte oder Fischer etwas in der Art “Natürlich habe ich Fehler gemacht!” sagte. In der zwischen diesen Szenen stattfindenden Studio-”Diskussion” bekam der CDU-Vertreter vom Moderator ausschließlich Steilvorlagen, die er nur noch auszuschmücken brauchte, wohingegen der SPD-Berater vom Moderator immer wieder direkt konfrontiert, sogar regelrecht angegriffen wurde und stets in dem Moment das Wort entzogen bekam, in dem er argumentativ oder rhetorisch die Oberhand gewann. Hätte N24 auf SPD-Seite einen weniger brillianten Redner eingeladen, der dieses Spiel nicht direkt durchschaut und entsprechend clever reagiert hätte, wäre die Rechnung vielleicht sogar aufgegangen. Der Moderator hätte auch ein wenig gewiefter sein können, damit es wenigstens nicht ganz so sehr auffällt. Aber, man lernt ja nie aus.

Interessant ist auch die Auswahl der Bilder: im Online-Angebot von N24 waren hauptsächlich Bilder zu sehen, auf denen Fischer irgendwie blaß und zerknautscht aussieht oder sonstwie unglücklich getroffen wurde. Die Ausschußseite hingegen ist gut gelaunt und wild entschlossen. Eine subtile, aber eindeutige Botschaft, deren Methode sich natürlich nicht nur auf der Website von N24 wiederfindet, sondern besonders häufig auch in den Nachrichtenformaten der Schmidt’schen Unterschichten-TV-Sender.

N24 gehört übrigens zur Pro7-Sat1-Media-AG, die zuerst Leo Kirch und nun Haim Saban gehört. Saban ist ein sehr erfolgreicher Medienunternehmer, dem man zwar vornehmlich Kontakte zum eher linkspolitischen Spektrum nachsagt (wie weit z.B. Bill Clinton nun links von der Mitte steht, bleibt wohl jedem selbst überlassen zu beurteilen), andererseits hat Saban durch einige Gemeinschaftsprojekte sehr gute Verbindungen zum FOX-Network und Rupert Murdoch.

Zufall? Hmmm…

Schwer verdaulich: DRM häppchenweise

Eine sehr interessante Entwicklung zeichnet sich im DRM-Bereich ab. Es war natürlich klar, daß Microsoft mit der damaligen Ankündigung der Palladium-Roadmap, die auf einen Schlag sämtliche Windows-zertifizierte Hard- und Software mit einem ekligen Krypto-Zuckerguß überzogen sehen wollte, nicht nur Zuspruch ernten würde, sondern auf erheblichen Widerspruch stoßen würde. Ebenso klar war es, daß sich danach DRM erst hier in Firmen, dann dort beim MP3-Player, also peu-a-peu in Hard- und Software integrieren lassen würde, bis eines Tages die Sättigung der Computer- und Medienlandschaft mit DRM-fähigem Material die kritische Masse überschreiten wird und der Endanwender eigentlich nur noch vor die Entscheidung gestellt werden braucht: friss oder stirb!

Jedenfalls ist auf diesem Häppchen-Weg mit nur sehr mäßigem Murren der Konsumenten zu rechnen, weil aktuelle DRM-Hardware erstmal noch keinerlei Einschränkungen mit sich bringt und inaktiv bleibt, bis die Infrastruktur für den jeweiligen Zweig komplett steht und man gar nicht mehr genau weiß, wo man am besten mit Murren anfangen soll.

DRM-Hardware gibt es also in Kürze in fast jedem neuen Prozessorkern (erstmal vorallem in den Cell-Prozessoren der PS3, doch schon heute u.a. bei VIA Epia), BIOS, Grafikkarte, Soundkarte, Festplatte und irgendwann auch Netzwerkkarte usw… etwa in der Reihenfolge, wie dringend die Content-Industrie für die jeweilige Applikation die Etablierung der zu Recht geforderten legalen Alternativen zu illegalen Tauschbörsen-Downloads benötigt. Der ganze Rattenschwanz mit Anonymitätsbekämpfung im Internet und dergleichen ist dabei zweitrangig und kommt erst später, sobald sich große Firmen der Adaption von DRM-Techniken für ihre Mitarbeiter und deren Dokumente und Netzzugriffe auf breiter Front annehmen.

Aber bei Grafikkarten geht es nun (im Gegensatz zu Soundkarten; die Filmindustrie verfügt anscheinend doch über mehr Geld und Einfluß als die schon lange lamentierende Musikindustrie) voran. Und hier kommt ein interessanter neuer Aspekt in Spiel, den ich so nicht erwartet hatte. Die großen Grafikkartenhersteller haben sich auf Verträge mit der Filmindustrie eingelassen, die die Verantwortung für Schäden durch Lücken oder Fehler im “DRM-Kanal” zwischen Content-Provider und Konsumentenhirn, die durch Treiber verursacht werden, vollkommen auf die Grafikkartenhersteller bzw. Treiberentwickler überträgt. (Heise-Artikel)

Was bedeutet das nun? Die Grafikkartenhersteller werden peinlichst genau darauf achten müssen, möglichst perfekte Treiber zu programmieren, da selbst für sie die üblichen Schadenersatzforderungen in Millionenhöhe (pro Film) auch kein Pappenstiel sein werden. Da naturgemäß jedes Softwaresystem Fehler enthält, sind fortan die Grafikkartenhersteller dem Wohlwollen der Filmindustrie unterworfen und sehr empfänglich für deren Wünsche und Vorstellungen. Kleine Hersteller, die nicht im Sinne der Filmindustrie mitspielen, und DRM-unfreundliche Hardware lassen sich so recht schnell und effektiv vom Markt entfernen.

Diese Verantwortungsverschiebung ist für die Entwicklung quelloffener Treiber z.B. für Linux fatal. Sie werden von Grund auf von der Entwicklung DRM-fähiger Treiber nahezu ausgeschlossen, weil zum einen die Grafikkartenhersteller genauestens kontrollieren werden, wem sie die hochsensiblen Informationen über die DRM-Interna übermitteln (schließlich würden so entdeckte Fehler deutlich schneller zu großen Schäden führen), und zum anderen, weil kein Hobbyprogrammierer solch eine Verantwortung für seine Treiber übernehmen könnte und wollte. Z.B. für Linux sind somit nur sporadisch DRM-fähige Binärtreiber der großen Hersteller zu erwarten. Eine unschöne Verschärfung der bisherigen Treibersituation bei den Nicht-Windows-Betriebssystemen also.

Interessante Effekte sind auch in den Bereichen und Situationen zu erwarten, die eine Weitergabe des Schwarzen Mega-Peters erlauben: Treiberprogrammierer werden firmenintern für ihre Programmierfehler zur Rechenschaft gezogen werden können und wohl völlig neue Klauseln in ihrer Haftpflichtversicherung maßgeschneidert bekommen (die natürlich dann deutlich teurer werden dürfte), und Full-Disclosure von Sicherheitslücken in DRM-fähigen Treibern wird zum Spiel mit dem Feuer.

Ähnliche Entwicklungen sind somit auch für alle anderen Komponenten des DRM-Systems zu erwarten. Ich stehe DRM nicht ausschließlich negativ eingestellt gegenüber, da es wie eigentlich jede Technologie ebenso starke Vorteile wie Nachteile mit sich bringt. Doch die Richtungsvorgaben der derzeitigen DRM-Vorreiter verstärken einseitig alle Nachteile für die breite Bevölkerung zu Gunsten der wenigen Auktionäre und Teilhaber der großen Content-Industrie. Auch aus Sicht eines quelloffenen Paralleluniversums (”Macht Ihr mal, wir machen unser eigenes Ding”), werden sich so selbst die Vorteile der DRM-Technologie kaum noch nutzen lassen.

Schade, daß es mal wieder niemand merken wird, bevor es zu spät ist und weh tut.


Über DRM: ein recht weitsichtiger Artikel zum Schmökern

Abscheuliche Vermarktungsmethoden

Svenja ist heute sehr früh aufgestanden. Nun hat sie den neuen DVD-Player von Aldi: den Tevion DVD 6000. Macht auf Anhieb einen ganz ordentlichen Eindruck und hat die üblichen Probleme mit ungewöhnlichen Codecs und Formaten. Hätten die Techniker lieber gleich den MPlayer für die Firmware portieren sollen. Einzig das an allen Ausgängen unnötig leise Audiosignal hinterläßt einen fahlen Nachgeschmack in verrauschten ruhigen Filmpassagen und in den Schrecksekunden kurz nach zurückschalten auf das Fernsehprogramm.

Region-Codes für DVDs sind menschenverachtend und entmündigend. Also weg damit! Vor dem Kauf hatte ich noch die drei Begriffe bei Google eingetippt und schon waren da gleich mehrere anscheinend brauchbare Region-Free-Hacks aufgelistet. Doch heute kann ich es mit denselben Begriffen einfach nicht mehr finden. Zumindest nicht mehr für das genannte Modell. Nur Link-Farm-Müll und ein todsicheres Softwareangebot. Nach einiger Sucherei habe ich dann doch noch einen Hack für das Modell TEV 2600 gefunden. Siehe da! Er funktioniert auch für das neue Aldi-Modell und ziemlich sicher auch für das ein oder andere Modell dazwischen. Ganz einfach:

Zum Konfigurationsmenü kommt man mit der Tastenkombination POWER OPEN/CLOSE 2 8 1 2. Dort lassen sich die Einstellungen für Region-Code (9 für Region-free), Macrovision-Kopierschutz, VCD-Wiedergabe und Divx Register (was auch immer das sein mag) ändern. Abspeichern kann man dann z.B. mit OPEN/CLOSE. Sehr schön! Erst die DVD, dann die Welt. :)

Hoppla, habe ich gerade etwas von Macrovision geschrieben? In manchen Ländern würde ich für diese Anleitung zum Umgehen eines Kopierschutzes empfindliche Strafen hinnehmen müssen. Somit wird das hier nun auch ein Experiment werden um herauszufinden, wann es in Deutschland endlich so weit sein wird.

hello, world

Meine Bloggerei beginnt mit einer interessanten Erfahrung. Lange bevor ich dieses Blog-System installiert hatte, habe ich den Beschluß gefaßt, meinen ersten Eintrag “hello, world” zu nennen. Doch nun heißt ausgerechnet der erste Beispieleintrag in diesem Ding hier tatsächlich “Hello world!” Auch wenn man nun lange darüber nachdenken könnte, ob man die klassische oder die moderne Schreibweise bevorzugen möchte, bringt diese simple Koinzidenz ein fahles Licht der Einfallslosigkeit und meinen ersten Eintrag ein wenig aus dem Konzept. Im Gegenzug habe ich andererseits nun ein Blog-System, das mir auf Anhieb sympathisch ist. :) Also…

Irgendwann erreicht man wohl einfach das Alter, in dem man merkt, daß die eigenen Gedanken ein erstaunliches Eigenleben entwickeln. Ich habe lange vorbehaltlos geglaubt, mir im Wesentlichen nur dummes Zeug auszudenken, und daß eigentlich alles möglichst vollständig wissenschaftlich belegt und fundiert sein sollte, bevor man mit irgendjemandem ernsthaft darüber sprechen darf. Mittlerweile bin ich mir sicher, daß das absolut falsch ist, und ich bemerke immer mehr, wie tief verwurzelt dieser Glaube unter den Menschen ist. Zusammenhänge und Muster sind viel schneller erkannt, als man sie in kommunizierbare Formulierungen ordnen oder sogar anhand von Quellen belegen könnte. Insofern betrachte ich Kommunikation als stark verlustbehaftete Gedankenkomprimierung und letztlich Wissenschaft immer öfter als Klotz am Bein.

Um nun nicht in meiner Gedankenwelt in einen völligen egozentrierten Positivismus zu verfallen, möchte ich dieses Blog dafür nutzen, meine Gedanken und Ideen in verlustbehaftet (aber gewissenhaft) komprimierter Form zu ordnen, in die weite Welt zu schicken und darüber hinaus zur Diskussion zu stellen. Vornehmlich werden das natürlich gerade die wirren und abgehobenen Gedankengänge sein, die ich in meinem persönlichen Umfeld kaum zur Sprache bringen kann, eben weil sie zu wirr und abgehoben sind.

In einem globalen semantischen Netz lebt Information von freier Verfügbarkeit, permanenter Veränderung und Reproduktion durch Andere. Jeder Gedanke, den ich für mich behalte, ist ein verschwendeter Gedanke. Jede Idee, die ich nicht Kommuniziere, ist eine verschwendete Idee. Dies ist der Grundgedanke hinter diesem Blog und darf als Einladung und sogar als Aufforderung verstanden werden, hier eigene Gedanken und Ideen einzubringen. Denn nur zusammen läßt sich etwas erreichen, soviel ist sicher.

In diesem Sinne…

Dank an WordPress und Hiperminimalist.
Einträge und Kommentare als Feed.